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Immer wieder erreichen mich Fragen von Lesern, die gern in die Arabischen Emirate reisen möchten, aber trotz all der in Werbefilmchen und -prospekten proklamierten Weltoffenheit des Landes verunsichert sind, was Gebote und Verbote angeht. Sie fragen sich, zu ich bin ein mann und suche eine frau Recht übrigens, welche Regeln Abu Dhabi Besuchern auferlegt und welche ihrer westlichen Gepfolgenheiten sie damit am besten daheim lassen sollten…

Zunächst einmal: Ich kann Eure Bedenken gut verstehen. Als ich kann ich dich kennenlernen englisch das erste Mal in die Emirate reiste, hatte tipps zum kennenlernen einer frau ich regelrecht Angst! Und das, obwohl ich viel darüber gelesen hatte. Oder vielleicht gerade weil ich viel (Widersprüchliches und damit Verwirrendes) gelesen hatte. Einiges, was ich in den Reiseführern las, kam mir obendrein fremd und seltsam vor und irgendwie dachte ich immer, dass es total leicht sei, gegen in Abu Dhabi vorherrschende Regeln unwissentlich einen „Verstoß“ zu begehen und sich eine Bestrafung einzuhandeln, eben weil dieser „Verstoß“ in unserer Kultur keiner ist.

Aber ich kann Euch wirklich beruhigen, wenn alles so superstreng wäre, wie man sich das als Mensch mit lebhafter Fantasie nach der üblichen Reiselektüre vorstellt, hätte ich mich gewiss nicht zum Emirate-Fan entwickelt. Ja, als sensible und feinfühlige Person spürst Du die kulturellen Unterschiede an vielen Stellen, aber Du merkst eben auch, dass Dir erstens nichts passiert, wenn Du Dich in Abu Dhabi an die Regeln hältst und dass es zweitens ganz interessant sein kann, sich als Beobachter in einer derart fremden Kultur zu bewegen. Und Ihr werdet feststellen, dass die Emiratis allem Westlichen nicht megafeindlich gegenüberstehen, sondern dass sie durchaus offen sind für Neues, wenn die Ihnen sehr am Herzen liegende Tradition gewahrt bleibt!

Nun aber zu Eurem Sammelsurium an Fragen! Meist geht es um Unklarheiten rund um die Themen, Drogen im weitesten Sinne und Benimmregeln für () Pärchen, über die ich schon ausführlicher geschrieben habe. Ich möchte hier dennoch einige Fragen noch einmal aufgreifen, einfach, damit es hier auf seriöse partnervermittlung im internet meiner Seite einen Überblick über alle Regeln gibt.

Wichtig: Einige Regeln, auf die Ihr in Abu Dhabi immer wieder stoßen werdet, beinhalten einen gewissen Interpretationsspielraum. Ein gutes Beispiel ist die Aufforderung zu decent oder appropriate clothing. Ich beschreibe in diesen Fällen daher nur meine persönlichen Erfahrungen und Ansichten und kann damit für eine bestimmte Handungs- oder Verhaltensweise keine Garantie auf Immunität aussprechen.

I. BEKLEIDUNG

1. Darf ich am Strand als Frau ohne Weiteres mit Bikini am Strand liegen?

Am Strand (egal, ob Public Beach oder ein anderer), in der Pool-Area Deines Hotels und auch in der darfst Du einen Bikini tragen, aber eben nur dort. Also bitte NICHT mit Rock und Bikinioberteil in den Aufzug zum Pool steigen oder mit Strandshorts ins Taxi hüpfen! Es kann sein, dass Du Dich in einem besonders knappen Bikini nicht wohlfühlst, weil in den Emiraten eben am Strand auch vollbekleidete einheimische Frauen in ihrer schwarzen Abaya und mit Gesichtsverschleierung sitzen (aber keine Sorge, die Touristen in westlicher Bekleidung machen den Großteil der Strandbesucher aus), die ihren Kindern beim Baden zusehen. Deswegen wähle ich zum Beispiel gern nicht ganz so knapp geschnittete Designs. Was definitiv nicht erlaubt ist, sind Tangas und oben ohne. Vielleicht wirst Du Touristinnen sehen, die gegen Kleiderregeln am Strand massiv verstoßen. Ich habe sogar mal eine Frau in Dubai am Al Mamzar Beach oben ohne gesehen. Auch wenn ihr nichts passiert ist, nehmt Euch so etwas nicht als Vorbild, denn so ein Verhalten könnte unschöne Folgen haben. Es muss sich nur eine ebenfalls anwesende Emirati-Mutter in ihren Gefühlen verletzt fühlen und die Polizei rufen…

2. Darf ich ohne Kopftuch durch die Straßen gehen?

Natürlich darfst Du ohne Kopftuch durch Abu Dhabi wandeln! Vielleicht hilft es, zu wissen, dass die Emiratis in ihrem eigenen Land eine Minderheit sind. Du wirst dort nur vergleichweise wenige von ihnen sehen (erkennbar an den traditionellen kleidähnlichen Gewändern in Schwarz und Weiß), dafür kuss und flirt spiele kostenlos aber umso mehr Gastarbeiter aus allen Nationen, die den „Luxusladen“ am Laufen halten. Darunter gibt es gerade im Servicebereich auch viele Frauen, z.B. Philippinas. Auch sie tragen kein Kopftuch, obwohl sie dort in den Hotels/Restaurants/Shops angestellt sind und natürlich auch Emiratis bedienen. Für Touristinnen ist das mit dem Kopftuch also erst recht nicht verpflichtend! Ausnahme ist die, die Ihr unbedingt besuchen solltet! Dort bekommen Frauen aber am Eingang ein frisches schwarzes Leihgewand inkl. Kopftuch, sofern sie nicht korrekt (nach den Regeln der Moschee) gekleidet sind. Ist eigentlich mal ganz interessant, in so eine Abaya zu schlüpfen.

3. Darf ich als Mann kurze Hosen tragen?

Zunächst einmal: Du wirst weder in in Straßen von Dubai noch Abu Dhabi der einzige Mann mit kurzen Hosen sein, denn man sieht immer wieder Touristen in waden- oder knielangen Shorts. Und es kann Dir als Träger von kurzen Hosen auch nichts Schlimmes passieren wie zum Beispiel, dass Du ins Gefängnis kommst oder Ähnliches. Für die allermeisten Einheimischen und die vielen (muslimischen) Expats ist es jedoch undenkbar, etwas Anderes als lange Hosen oder ihr ebenfalls beinbedeckendes National Dress zu tragen. Und auch wenn sie damit vertraut sind und es in der Regel stillschweigend hinnehmen, dass die Urlauber sich luftiger kleiden, wissen sie es zu schätzen, wenn man sich in Sachen Bekleidung etwas an ihre Gepflogenheiten anpasst.

Deswegen gibt es an vielen öffentlichen Orten wie (Freizeit-)Parks, Malls oder Points Of Interest (z.B. die Lobby des Emirates Hotels) Hinweisschilder, welche die Besucher darum bitten „decent / modest / conservative clothing“ zu tragen, damit auch die Einheimischen sich bei ihren Freizeitvergnügungen wohl fühlen und sich nicht mit zu viel nackter Haut konfrontiert sehen. 😉 Was das genau bedeutet, steht auf den Schildern nicht immer konkret dabei, gemeint ist aber, dass Schultern und Knie idealerweise bedeckt sein sollten. Beachtest Du das Gebot nicht, wird in 99% der Fälle auch nichts passieren, es kann aber unter Umständen vorkommen – je nachdem wie kurz man letztlich bekleidet ist und auf wen man trifft -, dass sich ein Einheimischer durch Dein Erscheinungsbild gestört fühlt, die Security auf den Plan ruft und man dann mit Hinweis auf die Schilder im Eingangsbereich gebeten wird, sich umzuziehen.

Die Einheimischen sind den Anblick westlicher Touristen aber in der Regel gewöhnt, weswegen so etwas vor allem bei knielangen Kleidungsstücken in  Kombination mit einem unaufregenden Oberteil wirklich so gut wie nie vorkommt. Je kürzer jedoch die Hose ist, desto höher ist die Chance, in irgendeiner Form Missbilligung hervorzurufen (Damen sollten beispielsweise auf Hot Pants verzichten, weil sie so zu viele weibliche Reize „präsentieren“). Aber schlicht, weil es vorkommen kann (und vorgekommen ist), möchte ich hier darauf aufmerksam machen, um ein Bewusstsein zu schaffen.

Mit diesen Informationen ausgestattet muss nun jeder Urlauber für sich selbst folgende Punkte abwägen:

1. Wie wichtig ist es mir persönlich, mich respektvoll zu verhalten und mich kleidungstechnisch ggf. etwas anzupassen, auch wenn die Einheimischen ohnehin bereits tagtäglich mit dem westlichen Kleidungstil konfrontiert werden?

2. Komme ich damit klar, wenn ich in die Situation gerate, unter Menschen mit bedeckten Beinen als nahezu einziger eine kurze Hose zu tragen?

3. Bin ich mir dessen bewusst, dass mich ich an Orten, die um angepasste Kleidung bitten der – wenn auch unwahrscheinlichen – „Gefahr“ aussetze, angeschaut oder angesprochen zu werden?

4. Finde ich vielleicht einen Mittelweg, etwa eine Hose, die nicht über dem Knie endet, sondern es noch etwas bedeckt? Lasse ich vielleicht mein ärmelloses Muskelshirt daheim, und kominiere nur herkömmliche T-Shirts zu den kurzen Hosen usw.

Fazit: Nehmt sowohl lange als auch kurze Hosen mit, und solltet Ihr unsicher sein, so kleidet Euch an den ersten Tagen ggf. etwas zurückhaltender und beobachtet Eure Umgebung und Mitmenschen. Dann bekommt Ihr schnell ein Gefühl dafür, mit welcher Kleidung Ihr Euch unter Berücksichtigung aller Umstände (d.h. der kulturellen Gegebenheiten vor Ort und Eurer Persönlichkeit) am wohlsten fühlt.

Noch ein Hinweis: Verboten sind kurze Hosen bei der Moscheebesichtigung. Männer, die dort mit nackten Beinen ankommen, müssen in ein geliehendes UAE National Dress (d.h. die typische weiße kleidähnliche Dishdasha) schlüpfen, um das Gotteshaus besichtigen zu dürfen. Diese Kleidungsstücke werden am Südeingang bzw. -parkplatz der Sheikh Zayed Grand Mosque ausgegeben.

II. GENUSSMITTEL

1. Darf ich in der Öffentlichkeit rauchen, vor allem als Frau?

Gegen das Rauchen als Frau spricht nichts, aber Ihr werdet sehen, dass Rauchen an vielen öffentlichen Orten generell nicht erlaubt ist. Das ist dann aber natürlich durch Schilder gekennzeichnet und es gilt dann eben wie in Deutschland auch, die Raucherecke (sofern vorhanden) aufzusuchen. E-Zigaretten dürft Ihr leider nicht mitbringen, das steht lt. Auswärtigem Amt offiziell unter Strafe, da in den Emiraten diesbezüglich ein Verbot besteht…

2. Darf ich Alkohol nach Abu Dhabi einführen?

Ja, Du darfst Alkohol mitbringen. Jeder Reisende darf max. 4 Liter mit in das Land bringen oder 24 Dosen Bier (Stand September 2014). Bitte informiert Euch vor Eurer Abreise aber noch einmal, ob sich daran etwas geändert hat. Bedenkt bitte, mit dem Thema Alkohol ist in den Emiraten nicht zu spaßen. Wenn Ihr dort Mitgebrachtes trinken möchtet, dann tut dies unbedingt auf Eurem Hotelzimmer und niemals auf der Straße! Und macht bitte auch nie im alkoholiserten Zustand auf Euch aufmerksam, etwa indem Ihr lärmend durch die Stadt torkelt. Denn so handelt Ihr gegen das Gesetz! Eine gute, aber kostspieligere Alternative ist der gepflegte Drink an der Hotelbar.

III: BENIMMREGELN

1. Muss ich als (blonde) Touristin fürchten, ständig angemacht zu werden?

Nein, definitiv nicht – und schon gar nicht in den großen kosmopolitischen Städten wie Abu Dhabi und Dubai! In den Arabischen Emiraten haben wir in der Familie komplett andere Erfahrungen gemacht als etwa in Nordafrika. Meine Mutter ist blond, und während sie in Tunesien deswegen mit entsprechenden Kommentaren angebaggert wurde, war in den Emiraten nichts dergleichen zu merken. Eben weil dort noch so eine (zumindest im Vergleich zu uns) strenge Geschlechtertrennung vorherrscht und religiöse Leitbilder den Alltag bestimmen und die Emiratis lieber unter sich bleiben, kommen Anmachen so gut wie gar nicht vor. Selbst die einsamen Gastarbeiter, die ohne Frau im Land leben müssen, halten sich zurück: Sie wissen ganz genau, dass das streng verboten ist, Frauen frech anzusprechen oder sie gar anzufassen und dass ihnen die Ausweisung droht, wenn sie diesem Gebot zuwiderhandeln. Die einzige, unrühmliche Ausnahme, die mir derzeit bekannt ist, ist der Kamelmarkt der Stadt Al Ain, denn einige Touristinnen beklagen, dass man ihnen dort – selbst in männlicher Begleitung – unangenehm nah auf die Pelle gerückt sei. Das geht natürlich gar nicht und für mich hat sich dieser Markt als Sehenwürdigkeit disqualifiziert, bis sich die Online-Berichterstattung postiv verändert! Muss aber natürlich jeder selber wissen. Übrigens (jetzt mal unabhängig von dem Kamelmarkt-Thema): , desto weniger schräge Blicke werdet Ihr ernten.

2. Darf ich mit dem Verkäufer handeln?

Auf dem Markt oder Souk ist das in Ordnung. Auch in den neumodernen Souks (kleine Geschäfte in klimatisiertem, einer Mall ähnlichem Gebäude, die – wenn auch oft vergebens – versuchen, den Charme eines traditionellen Souks einzufangen) könnt Ihr es ausprobieren. In den großen Malls, wo die weltbekannten Marken alle ihre Shops haben, im Supermarkt oder im Restaurant ist das Feilschen um die Preise jedoch unangebracht.

3. Darf ich es mir in der Öffentlichkeit bequem machen?

In den Emiraten werdet Ihr oft Arbeiter sehen, die auf einem Stück Rasen oder auf einer Parkbank ihr Mittagsschläfchen in aller Öffentlichkeit machen. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Haltung sollte allerdings bewahrt werden, sobald durch Stühle und Tische ein formalerer Rahmen gegeben ist. Legt Eure Füße besser nicht darauf ab, denn in der arabischen Welt gilt es als sehr unhöflich, anderen die Fußsohlen zu zeigen.

4. Darf ich meinen Partner bzw. meine Partnerin in der Öffentlichkeit küssen?

Hier bewegen sich insbesondere Homosexuelle auf gefährlichem Terrain, aber auch Hetero-Pärchen sollten gut überlegen, ob das unbedingt sein muss. Warum das so ist, habe ich unten in der Kommentarsektion in einer etwas längeren Antwort auf eine Leserfrage zusammengefasst.

5. Ist Händchenhalten beim Spaziergang ok?

Ich habe selbst Emiratis in einer Mall in Dubai gesehen, die händchenhaltend durch die Shops gebummelt sind. Auch Dubais Director of the Criminal Control Department sagte 2010 in einem „, dass es in Ordnung sei, sich an den Händen zu halten, wenn auf weitere offensichtliche Zuneigungsbekundungen wie Küssen verzichtet wird. Übertreibt es aber nicht (indem Ihr Euch zum Beispiel noch miteinander flirtet und/oder zu knappe Kleidung tragt) und beobachtet immer auch Eure Umgebung genauestens. Glaubt mir, Ihr bekommt vor Ort sehr schnell ein Gefühl dafür, was angemessen ist und was nicht. Im Hotelgarten werdet Ihr Euch automatisch anders verhalten wollen als beispielsweise auf dem Vorhof der Moschee etc.  Lasst es im Zweifel lieber einmal mehr bleiben – auch zum Beispiel wenn Ihr Euch in Emiraten wie Sharjah  bewegt, die konservativer sind! Gleichgeschlechtliche Paare sollten jedoch auf das Hänchenhalten ganz verzichten, da Homosexualität in den Emiraten  gegen das Gesetz verstößt.

6. Darf ich mit meiner Freundin oder meinem Freund ein Hotelzimmer teilen?

Unverheiratete Paare dürfen in Dubai oder Abu Dhabi in der Regel zusammen ein Hotelzimmer beziehen, sollten sich aber am besten vorher durchlesen, um besser zu verstehen, in welche „besondere Situation“ sie sich damit begeben. Auch zwei Freundinnen oder zwei Freunde können sich natürlich ein Zimmer teilen! Oft werde ich gefragt, ob das nicht gefährlich sei, weil man dann für homosexuell gehalten werden könnte. Meine Antwort: Erstens kenne ich ein schwules Pärchen, das wiederholt in den Emiraten Urlaub gemacht hat – natürlich nicht in getrennten Zimmern. Die goldene Regel für gleichgeschlechtliche Paare lautet, dass man seine Zuneigung in den öffentlichen Bereichen nicht zeigen darf. Und zweitens müssten sämtliche Hotels bzw. Buchungsplattformen solche Sonderregelungen – wenn es sie denn gäbe – doch in ihren AGB nennen, damit kein Reise-Duo beim Check-In eine böse Überraschung erlebt! Schließlich wissen die dort auch, dass es doch ganz normal für die Gäste aus dem europäischen Raum ist, dass Freunde in nur ein Zimmer – zumal in den VAE auch nur ganz selten Einzelzimmer angeboten werden – einchecken, um Kosten zu sparen. Habe noch nie gesehen, gehört oder gelesen, dass es diesbezüglich Einschränkungen gab! Wie will ein Hotel seinen Gästen (ob sie es nun sind oder nicht) Homosexualität überhaupt nachweisen können, wenn sie sich „ordnungsgemäß“ verhalten und keine Zärtlichkeiten austauschen?

7. Darf ich unterwegs Fotos machen?

Euch wird vor Ort direkt auffallen, dass die Plätze, an denen das Fotografieren unerwünscht oder verboten ist, gut durch Schilder gekennzeichnet sind. Wer mit offenen Augen durch die Gegend geht, kann das in der Regel nicht übersehen, vor allem, wenn er für das Thema sensibilisiert ist! 🙂 Dass man von  Gebäuden oder Hotels generell keine Bilder machen darf, ist Unsinn. Vorsicht geboten ist bei Orten wie Häfen (da legen z.B. auch Militärschiffe an), Flughäfen, Regierungsgebäuden und Militärgelände, Industrieanlagen (z.B. Ölförderungsanlagen etc.) usw. Aber das kann man nachvollziehen, das ist in vielen Ländern so. Besonders einfühlsam muss man auch damit umgehen, dass Einheimische – insbesondere die Frauen – nicht einfach so fotografiert werden möchten. Privatsphäre spielt da eine riesige Rolle. Daher ist es auch an Stränden nicht gern gesehen, wenn jemand Aufnahmen macht – und das steht auch am Eingang auf den Schildern, die das richtige Verhalten am Badeort erklären. Wenn man aber vom Strand in einer ruhigen Ecke so ein Bild macht, dass es nicht gleich jeder mitbekommt, und darauf achtet, dass keine Muslima ungefragt mit drauf ist, dann wird nichts Schlimmes geschehen. Ich habe es auch schon so gemacht, sonst hätte ich in jetzt ja gar kein Bildmaterial. 😉 Auch am Hafen habe ich aus einem Touribus heraus einmal „heimlich abgedrückt“, aber nicht, weil ich Schiffe oder die Infrastruktur der Anlage fotografieren wollte, sondern einen Markt, der auf dem Gelände stattfand. Für mich stellte es sich so dar: Letztlich ist das alles sicher nicht so wild, man sollte sich halt – wenn man es nicht lassen kann, abzudrücken – nicht erwischen lassen oder glaubhaft versichern können, dass die Bilder 1. keine Einheimischen in ihren Persönlichkeitsrechten verletzen und zudem 2. nur zum Andenken gemacht wurden und nicht, weil man einen „Anschlag“ plant… Am Strand in Dubai hat ein Guard meinen Vater auch schon einmal gebeten, seine Videokamera wieder einzupacken und im Hotel am Frühstücksbuffet ist uns das auch einmal passiert. Aber es wurde nie etwa beachlagnahmt und auch nicht verlangt, dass etwas gelöscht wird. Ich denke, es geht dabei echt nur darum, dass sich andere Gäste – vor allem weibliche – nicht belästigt fühlen.

Sarah

In Luxus-Hotels residieren. Durch Sanddünen wandeln. Dem Muezzin-Ruf lauschen. Die Hitze aushalten. Arabische Vorspeisen genießen. Architektonischen Wahnsinn bestaunen. Abu Dhabi lieben! 🙂

Sarah

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Es sind Bilder von berauschender poetischer Kraft und Klarheit, die der namenlose Protagonist in Silke Andrea Schuemmers erstem Roman findet, um von seiner Liebe zu Rema zu berichten, deren Wurzeln bis in die Tage der Kindheit zurückreichen, um sich ihr in immer drängender werdenden Erzählbewegungen anzunähern. In Briefen, die an niemand anderen adressiert sind als an den Leser selbst, legt er Zeugnis ab: von seiner Lehre bei der heiligen Korbflechterin, vom Alten, dem Vertrauten der Mutter, die so anders war als die Frauen der Stadt, vom Vater und dessen Verwandlung in den Habicht, der nach ihrem Tod alle von ihr gepflanzten Bäume abschlägt und die Vögelinnen zerdrückt, von seinem eigenen fluchtartigen Aufbruch, seiner Zeit bei den kupferfarbenen Geschwistern, vom Reiter und den Bunkern um die Stadt, jenseits des Sees, und von den Strichmädchen, die schließlich, als er sich von dem Fenster, das allein ihm den Blick auf Remas Haus ermöglicht, nicht mehr lösen kann, zu seiner einzigen Verbindung nach draußen werden.
So eng schnürt er seine Fäden um Rema, so stark ergreift sie Besitz von ihm – und er von ihr –, dass er glaubt, ihr nur noch im Tod begegnen zu können...
»Remas Haus« ist ein Roman über die Leidenschaft zur Literatur, über die Lust des Schreibenden und die Lust des Lesers, ihm dabei zuzusehen.

»eine[r] der virtuosesten, poetischsten und zugleich sperrigsten und verstörendsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre [...] Wie ein Fiebertraum überwältigt die elementare Kraft von Schuemmers Sprache den Leser, reißt ihn in einen Strudel des Phantastischen.« Frank Schorneck, Macondo
»Ein gutes Buch« Olaf Velte, Am Erker
»Um diese Buchcover angemessen zu würdigen, zu preisen, zu feiern, müsste man ein Buch schreiben. Das Konzept ist raffiniert, jedes Detail wurde perfekt umgesetzt, die Elemente sind so stimmig und zahlreich, dass die Gestaltung lange vom Lesen abhält. Glaubt man. Doch wer den Umschlag betrachtet, aufklappt und befühlt, wird nicht abgehalten - sondern vorbereitet. Die Gestaltung macht uns vertraut mit einem schwierigen, aber gewaltigen Buch. Seine Geschichte begreift nur, wer sich auf die Logik des besessen liebenden Erzählers einlässt, seine starken Bilder wirken lässt, ohne gleich alles wissen zu wollen.«bücher-Magazin

5. Brief: ja

manchmal sitze ich an meinem Fenster und sehe von einer Wand zur nächsten, oder ich summe vor mich hin, unbedeutende Melodien und Lieder, an die ich jahrelang nicht gedacht habe. Ich trete an das Fenster, so dass das linke Schienbein fest an die rote Liege drückt. Und ich winkle das rechte Knie an und lege den Unterschenkel vorsichtiger als sonst auf den roten Bezug, spüre die Federung, bewege das Bein nach links und rechts und fühle, wie sich die Fasern dem Druck entgegensetzen und dann weicher werden irgendwann.
An solchen Tagen ist es auch, dass ich nur einen flüchtigen Blick auf Remas Haus werfe und sachlich und vollkommen ruhig feststelle, ja, ein Haus, Remas Haus, und ich sage mir einmal, nur einmal, dass ich in ihrer Nähe bin, dass ich sie fast schon sehen kann, dass ich weit gereist bin, um dieses Fenster zu finden, und dass ich eigentlich dankbar sein muss, es zu haben und Remas Haus wenigstens sehen zu können. Nur einmal sage ich mir das an solchen Tagen, und ich glaube es selbst kaum, wenn dann die Spindel in meinem Brustkorb langsam und vollendet elliptisch schwingt und weite Bögen beschreibt von einem Muskelnetz zum nächsten und leise schwirrende Fäden zieht, die mein Herz langsam schlagen machen, und mir bewusst wird, dass es genug ist. Dass viel erreicht ist mit diesem Blick und dass ich viele Augenblicke dazwischen genieße: wenn morgens ein Dunst um die Ecke weht, damit er die Nacht nicht verliert, die jetzt irgendwo anders ihr Unwesen treibt. Wenn der letzte Schatten Grau sich um die verwitterten Buchstaben der Maueranker auf Remas Haus wickelt. Wenn die Fassade dann aufklart und mit ihr mein Blick, der unverwandt seit dem vorangegangenen Abend das Haus entlanggefühlt hat, weil es ja sein könnte, dass sie sich nachts zeigt, irgendwann muss und wird sie es schließlich tun. Oder das schmiedeeiserne Tor auf der Rückseite, das von hier oben aus einen schwarzen Draht zwischen die beiden Mauern spannt und dann mit der Sonne beginnt, Scherben aus dem gefliesten Hof zu brechen, mit vorsichtiger Hand filigrane, haarkantig umrissene Scherben aus Bruchstein, in Schwüngen und gebogenen Formen, wie man kristallnes Eis bricht, wie ich das Halbkopfbild spröde Leimfäden ziehend aus seinem Rahmen gebrochen habe, wie Rema meine Wirbel brechen wird, mit ganz leichter Hand.
Ich habe mich darum bislang herumgedrückt, aber jetzt wird es doch einmal Zeit, dass ich es Ihnen mitteile, denn meine Mutter hat mit ihrem Sturz viel mehr in Bewegung gesetzt, als Sie ahnen. Sie hat etwas aus der Ordnung gehoben, durch ihren Flug einen verrosteten Hebel gelöst:
Niemals, seit ich hier bin, und wenn ich etwas anderes behauptet haben sollte, dann nur, um Sie nicht zu erschrecken, niemals also ist es mehr Tag oder Nacht geworden zwischen Remas Haus und meinem Fenster. Zwischen ihrem Haus und mir ist es Licht, immerzu Licht. Aber natürlich brauche ich meinen Schlaf dann und wann. Und außerdem würde es die stumpfgesichtigen Mädchen erschrecken, wenn sie sich herablassen, bei mir zu liegen. Was die kleinen Flittchen nicht sehen, ist, dass es aus diesem einen, meinem, Fenster, keinen Tageswechsel gibt.
Da ist in Wirklichkeit ein Gewölk von braunen, unscheinbaren Vögelinnen, die sich mein Fenster aussuchen, um gemeinschaftlich etwas hervorzubrüten, das sie in der Stadt verhungern ließen. Und so setzen sich die ersten Vögelinnen gegen Abend auf meine Fensterbank, und mit jeder vorwärts drehenden Stunde kauern sich weitere auf deren Schultern. In ungeordneten, zufälligen Mustern entsteht so ein dicht gedrängter Vorhang aus Vögelinnenleibern, mit laut schlagenden Herzen unter dem Gefieder. Sie brüten das gefensterte Ei, in dessen Hülle ich mich bewege. Was schlüpfen würde, wenn Rema sich endlich dazu herabließe, dieses Ei zu befruchten, ist für mich genauso unaussprechlich wie für Sie. Aber ich lege Ihnen Spuren aus schwarzem Kalk in meine Briefe, vogelgescharrte Spuren, die Sie deuten können, wenn Sie an Vorhersagen glauben. Sobald es Morgen wird, stürzt eine Vögelin nach der nächsten von den Schultern der unteren und aus dem Gekrall der über ihr und fliegt lautlos in weitem Bogen um Remas Haus in die Schleife der nächsten Nacht. Und auch die kleine Straßengöre zieht ihre strähnigen Haare von meinen Schenkeln und verschwindet, solange ich vorgebe, noch zu schlafen, während ich an den Bettrahmen genagelt verkrümmt daliege und ihr Speichel in meinem Mund nach Essig schmeckt.
Haben Sie eigentlich gewusst, dass ich fast ein Heiliger geworden wäre? Es stimmt. Ich bin nämlich bei einer Heiligen in die Lehre gegangen. Die Jahre, bevor mir die Brust wuchs, dieses Geheimnis, das meine Mutter geahnt hat und das ich ihr gerne irgendwann gezeigt hätte, damit sie mir eine Erklärung findet, wäre sie nicht von dem Vater vom Rang ins Parkett gestoßen worden, diese Jahre also verbrachte ich, weil ich schon zu alt für die Schule unserer Stadt war, bei einer Korbflechterin. Und die war wirklich eine Heilige.
Sie zeigte mir die verschiedenen Flechtstöcke aus Weide, Rohr, Binsen oder einfachen Zweigen, und sie achtete streng darauf, dass ich ihr genau zuhörte und hinsah, wenn sie mich unterrichtete. Gräser und Rinden lernte ich genauso wie Fell- oder Lederstreifen und Tiersehnen blind zu verflechten. Die Heilige hatte die Haut einer Paranuss und war über und über Lächeln. Dieses Lächeln legte einen Film über ihre Gesten, die weicher waren, als ich es sonst bei den Frauen in der Stadt kannte. Es sah so aus, als versuche sie, mit ihrem sehnigen Körper der Luft um sich herum auszuweichen. Oder als sei diese eine verletzliche Hülle, in der sie stand und ging, ohne sie zu verletzen. Man sah sie bereits von weitem kommen, denn sie war groß und biegsam wie das Holz, das sie formte, und trug immer mehrere Lagen Stoff in verschiedenen Farben übereinander. Ihr Haar wuchs in einer dichten Krause um den Kopf und fügte den runden Formen ihres Gesichtes, den Kieselsteinaugen und den weich abgeschliffenen weißen Zähnen mit der Zahnlücke vorn einen kantigen Abschluss zu. Denn das Haar wuchs in einer eckigen Form links und rechts am Hinterkopf. Und wenn sie unter ihrem leisen Lachen das Kinn senkte und die Bauchdecke in schnellem Zucken anhob und fallen ließ, während die Schultern den Hals unter Zittern verbargen, ging diese Bewegung bis in die äußersten Spitzen ihres Haares.
Ihren Namen hatte die Stadt für unaussprechlich erklärt, denn sie trug den ihrer Patin, die aus einem heißen, immer hellen Land kam, und kaum einer in der Stadt konnte ihn buchstabieren. Er fing mit einer nach unten fallenden Wölbung im Mundraum an, führte dann über einen festen Verschluss der Lippen zu einem Druck, der die Zungenspitze gegen den oberen Zahndamm presste, und endete in einem ausatmenden spitzmündigen Ton, der immer wie eine Anrede klang. Aber obwohl es ein sehr sinnliches Gefühl war, diesen Namen auszusprechen, und obwohl ihm sogar eine gewisse Heiligkeit nicht abging, weil man ja immer ehr geneigt ist, Worte für wahr zu halten, die man nicht versteht, konnte man ihn nicht aufschreiben. Die Heilige selbst habe ich nie einen Stift in der Hand halten sehen, und es hat sie wohl nie jemand gefragt, wie sie sich schreibe, und so war er unschreibbar und damit nicht vorhanden. Und obwohl es schade war, weil diese weiche Bewegung von Zunge, Zähnen und Gaumen mit Sicherheit vielen in der Stadt Freude gemacht hätte, war es doch kein großes Unglück, denn die Heilige kannte man einfach, und sie selbst kannte sich auch.
Im Gegensatz zu den meisten Menschen hatte sie keinerlei selbst auferlegte Regeln, an die sie sich mühsam hätte halten müssen. Ihr einziger Tick, wenn es denn keine Sünde ist, bei einer Heiligen von einem Tick zu sprechen, war, dass sie sich jedes Mal, wenn wir uns begrüßten, entschuldigte, sie sei zu spät, und ich ihr versichern musste, sie sei auf die Minute pünktlich wie immer, und ich denke, dass sie damit ein großes Taktgefühl bewies, weil sie so den Abstand zwischen mir, dem ungeschickten Jünger, der bald gegen die Natur eine Brust bekommen sollte und noch wenig von der Heiligkeit des Korbflechtens wusste, und ihr, der Meisterin, deutlich machte. Es war ein demütiger Akt, der mir ihre grenzenlose Bereitschaft versprach, mich alles zu lehren, was sie von Körben wusste, und ich stellte meine Uhr nach ihrem Kommen. Die Zeit begann mit dem Erscheinen der Heiligen.
Während wir dasaßen, ich den geschmeidig gekrümmten Fingern der Heiligen beim Flechten zusah und mühsam versuchte, die Gesetze zu erlernen, wie eine Weidenrute in die Bahn der anderen einzufügen sei, kniete sie unendlich ruhig neben mir, und wenn ich nachfragte, ob es richtig aussehe, was sich unter meinen Händen wand und brach, begann sie ihre Erklärung mit einem lang gezogenen, leisen Brummen, das tief in ihrem Hals über dem Kehlkopf grollte, als müsse sie erst überlegen, und dann sagte sie schließlich, nun, sie glaube, dieses Muster müsse wohl anders aussehen, und endete mit einem sanften, ehrlich überlegenden: Nicht wahr? Es war vielleicht das deutlichste Zeichen ihrer Heiligkeit, eine Wahrheit, die sie genau wusste, weil sie sie tagtäglich mit den Fingern über und unter flocht, so auszusprechen, als sei es eine Glaubensfrage, die sie persönlich tief bewege und über die sie mit allem Ernst und großer Ehrfurcht nachdenken müsse. Wenn sie mich verbesserte oder mir einen Hinweis auf größere Vollendung oder Schönheit gab, fühlte ich mich nie gemaßregelt, sondern mit einbezogen in die Lehre der Korbflechterei und teilhabend an wirklicher Heiligkeit, und ich dankte es ihr mit Aufmerksamkeiten, wie ich es von meiner Mutter gelernt hatte, die den Alten mit den verfaulten Augen anscheinend ähnlich liebte und vielleicht sogar ein viel größeres Geheimnis mit ihm teilte als ich mit der Korbflechterin.
Von den einfachen Geflechten, bei denen ich Längs- und Querstreifen durch Schrägen vervollkommnete, kam ich später zu Körben mit Spiralwülsten, wobei Spiralen aus Rohr oder Bast vom inneren Ende aus durch die bereits fertigen Maschen gezogen wurden.
Die Heilige war es, die mir, als ich spezielle Korbformen für Lebensmittel und diverse Gegenstände anfertigen wollte, sagte, der Inhalt, der später von einer möglichen Besitzerin hineingefüllt würde, sei nicht das Wichtigste, sondern der Korb. Aber noch wichtiger als der Korb sei das Flechten selbst. Und die Heilige erklärte mir, was man sehe, sei völlig egal, wie es entstanden sei und dass es entstanden sei aber das eigentlich Wichtige. Und sie sagte auch, jeder Korb habe eine eigene Bestimmung und müsse eine Form haben, die ihr möglichst genau entspreche. Teilweise könnte ich das an den Ruten ablesen, an ihrem Wuchs, ihrer Stärke, ihrer Farbe, teilweise stecke es aber auch in meinen Händen. Und sie lehrte mich, in jeden Korb kleine Webfehler einzuarbeiten, so dass unwillkürlich Muster entstanden, von denen keines dem anderen ähnelte. Lass das Rohr ausbrechen, sagte sie zu mir, wenn ich versuchte, etwas ganz Bestimmtes einzuflechten: Es weiß, wie es zu liegen hat. Und nach einiger Zeit waren die Körbe wesentlich unregelmäßiger als früher, nicht weil sie weniger sorgfältig gewesen wären, sondern weil meine Hände gelernt hatten, den Gesetzen der Weidenruten oder Binsen zu folgen. Und sie waren richtiger als vorher, obwohl sie Sprünge und Brüche und Lücken hatten.
Aber ich war nicht wirklich dazu ausersehen, ein Heiliger zu werden, weil meine Körbe Körbe waren und Körbe blieben. Die Körbe der Heiligen waren Kunstwerke aus Maschen und Verflechtungen, die man gegen das Licht halten konnte, um zu sehen, wie die Sonne den lehmigen Boden hell zitternd durchbrach, ähnlich wie sie jetzt durch das schmiedeeiserne Tor von Remas Haus jeden Morgen und Abend eine splitternde, gepflasterte ich bin ein mann und suche eine frau Eisfläche in den Hof wirft.
Die Körbe der Heiligen waren ihrer Bestimmung so nahe gekommen, dass sie als Körbe nicht mehr zu erkennen waren. Manchmal staunte die Heilige selbst darüber. Man konnte sie nicht mehr entweihen, indem man halbe Hühner oder Pflastersteine mit ihnen durch die Gegend schleppte. Auf der letzten Stufe ihrer Entwicklung zur Heiligen war sie eine stille, sehr grade und sehr weit über die Baustellen sehende Korbflechterin, die erkannte, dass sie das wahre Wesen des Korbes nur dann finden konnte, wenn sie jede banale Alltäglichkeit weit von ihm fernhielt. Und so flocht sie tagelang an ihren Körben, arbeitete große Löcher und knubbelige Wülste hinein, und wenn sie fertig war und ihre Hände dem ungebrochenen Holz ganz gefolgt waren, ging sie durch die Stadt, um sie den Leuten zu zeigen.
Die traten respektvoll einen Schritt beiseite, wenn die Heilige ihnen entgegenkam, wechselten manchmal sogar vor Ehrfurcht die Straßenseite, sprachen einander leise Gebete in die Ohren oder drehten aus Demut das Gesicht weg. Auf jeden Fall aber senkten sie den Blick im Vorbeieilen, weil sie wussten, dass es Unglück bringt, die Aufmerksamkeit einer Heiligen, die einen Korb trägt, auf sich zu ziehen.
Und sie brachte die Körbe auf die Felder zwischen den Baustellen. Und irgendwo, an einem Punkt, an dem sie die Stadt nicht mehr toben und schreien hörte, warf sie sie in die Kanäle oder hoch in kahle Baumkronen, wo sie aufgespießt oft lange hingen, oder sie zündete sie an oder ließ sie auf irgendeinem Weg einfach liegen, und das war richtig so, denn schließlich bedeutet Korban ursprünglich Dargebrachtes, wie sie mir erklärte. Wenn sie dann erschöpft zurückkam, sagte sie oft zu mir: Sie waren schön, sie waren unbrauchbar, sie waren heilig. Und sie legte ihre vom Baumsaft dunkel angelaufenen Finger unter mein Kinn und hielt es gegen die Sonne und sagte: Zwei Ziele, sei schön und sei unbrauchbar, heilig wirst du dann von alleine. Und ich glaubte ihr.
Und an manchen Tagen wie diesen, wenn ich nur einen kurzen, zufriedenen Blick auf Remas Haus ganz in meiner Nähe geworfen habe, spüre ich diesen Zeigefinger unter meinem Kinn, und ich straffe meinen Oberkörper, und mein Blick geht einen hohen Bogen, und ohne mit den Lidern zu zittern oder den Kopf zu wenden, sitze ich in meiner Dachkammer und sage halblaut gegen das Fenster Ja, und noch einmal Ja. Und dann spüre ich die Hände der Heiligen auf meinem Rücken unsichtbare Fäden flechten, und sie knüpft sie aus mir heraus zu Remas Haus hin, ganz sachte, sortiert sie streichelnd, prüft mit weichen Kuppen ihre Stärke, ihre Biegsamkeit und flicht ein wild wucherndes Gewebe zum Haus, eine Nabelschnur aus drei Strängen, durch die ich plötzlich atmen kann, in breiten Strömen und mildwarm. Und ich lächle und flüstere frau sucht mann brandenburg havel mein Ja gegen die Fensterscheibe.
Rema selbst ist den Körben übrigens nicht unähnlich, sie hat zumindest alle Eigenschaften, die man von etwas Heiligem verlangen kann.
Und wahrscheinlich ist Rema die erste, die allererste heilige Hure, die jemals einen Menschen wie mich vernichtet hat, was meinen Sie? Sie ist schön, ich bete sie an, mehrere Stunden täglich und nachts ohnehin, ich liege auf den sprichwörtlichen Knien, und ich weiß, dass sie es wert ist, ich weiß auch, dass Sie das wissen, sonst würden Sie meine Briefe nicht lesen. Ich lebe für diesen Gedanken von milchdurchströmten Federn und weißem Licht, und ich will gerne alles tun, was sie verlangt, würde sie nur einmal, ein einziges Mal etwas verlangen. Sie werden sagen, was will er denn mehr, er hat angeblich ein Fenster, er behauptet sogar, ihr Haus zu sehen. Das ist richtig. Aber ich möchte sie spüren, jede einzelne ihrer Poren mit meinen austauschen, bis wir am Ende Halbgeschöpfe sind.
Natürlich weiß ich, dass sie allen gehört, nicht nur mir, aber nicht auch mir? Habe ich nicht ein Recht darauf, sie zu sehen? Ich habe dafür gezahlt, ich bin weggegangen und habe alles, was ich hatte, gezahlt, um dieses Fenster zu haben: eine Stadt, eine Heilige, die Verse meiner Mutter und die Siebe des Vaters.
Die Sache ist einfach: Besitzen kann ich sie nicht, und ich weiß es natürlich, auch wenn ich es oft verdränge, aber ohne sie leben kann ich auch nicht. Die Möglichkeiten, die mir bleiben, sind ebenfalls einfach: Ich töte mich, ein Fenster dazu hätte ich ja, und ein Sprung wäre nicht viel anders, als mir wie meine Mutter jemanden zu suchen, der mich so lange mit zerblätterten, schwarz bedruckten Augen ansieht, bis es mich von einem Balkon ins Parkett eines Theaters reißt. Die andere Möglichkeit: Ich töte Rema. Ich vernichte sie, bis nichts mehr von ihr übrig ist in mir. Ich suche sie und nehme mir, was ich immer gewollt habe, ich gehe endlich die letzten Meter, nehme den Weg durch meine Schädeldecke, trete aus dem gläsernen Schatten meines Fensters, suche sie auf und trenne ihr den Puls durch, öffne ihr Fleisch überall da, wo er schlägt, zerre ihr die weiße Haut von den Flügeln und breche einen nach dem anderen, bis ich sie nicht mehr brauche, nicht mehr liebe, bis ich ohne sie leben kann. Ich könnte ihr die Augen nach innen drehen, damit sie sieht, was ich Jahr um Jahr gesehen habe.
Ich habe mir nie etwas sehnlicher gewünscht, neben all den anderen Dingen, die unverzichtbar waren, als einmal allein zu sein. Ohne ihren ständigen Heiligenschein um meinen Hinterkopf, ohne dass sie mir dauernd in die Handbewegung fiele, lächelnd manchmal, tadelnd wesentlich öfter, die immer neben mir gestanden hat und mir zur zweiten Haut geworden ist und die sich mir ständig entzieht, wenn ich versuche, sie zu umfassen, sie in mich hineinzurufen, damit sie durch mich menschlich wird, mit mir verschmilzt, damit ich heilig werde, weil mir nie so klar war wie jetzt, dass Schönheit und Unbrauchbarkeit für mich nicht reichen. Größenwahnsinnig sollte man gründlich sein.
Ich habe nicht gewählt. Ich bin nicht dafür verantwortlich, dass ich hier an diesem Fenster stehe. Es ist das Naheliegendste, das ich tun kann. Und der Ersatz für sie, die dreckigen Mädchen, vor denen ich am Fenster auf und ab gehe, mich zeige und anbiete, können mir nicht das geben, was ich von Rema erwarte.
Was ich möchte, ist einer, nur einer ihrer Flügel, der mittlere, mit den beiden anderen wäre sie noch vollkommen genug, sie braucht den dritten nicht, und ohne ihn könnte sie aufsteigen und würde endlich eingelassen, und dieses jämmerlich schäbige Haus zerflösse in alle Richtungen und sickerte in den Boden wie Tinte. Ich aber hätte einen Flügel. Einen eigenen milchweißen Flügel.
Ihr

: Remas Haus · Roman
kookbooks _ Reihe Prosa _ herausgegeben von Daniela Seel _ Band 3

160 Seiten, Coverstanzung, Coverinnenseite bedruckt, vier Schmuckblätter auf Transparentpapier mit Zeichnungen nach Motiven aus dem Band von Andreas Töpfer, Klappenbroschur, 15.90 Euro, ISBN 9783937445106

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3 Comments

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